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und in Sachen Schnaps ein Experte.

 
Mein heutiges Thema ist: „Liverollenspieler“ Jeder, wirklich jeder darf individuell sein, jeder darf machen, was er will, jedem das sein, mir alles! Ich muss wieder einmal Menschen kategorisieren, ich kanns nicht lassen. Also mein heutiger Hass bezieht sich auf Liverollenspieler. Das sind so Menschen, die sich trauen, sich wie Menschen aus dem Mittelalter anzuziehen und so dann rumlaufen. Bei den meisten fing es ganz harmlos in der Pubertät mit DAS (das schwarze Auge) an. Ist ja auch vollkommen in Ordnung: man sitzt da so rum und baut sich eine Scheinwelt auf. Man ist ein Held XY und tötet gerne Orks, Trolle, aber auch Menschen, je nach Charakter.
Ich war früher immer ein Wikinger. Brutale losgelassene Gewalt hat mich immer schon fasziniert und als Wikinger konnte man einen dummen Charakter spielen, der zuschlägt, wann er will. Häufig überfiel ich meine eigene Gruppe und lynchte wahllos. Hammerharte Körperverletzung war übrigens mein Ressorts, da hat mir keiner so schnell was vorgemacht, ich ließ sie dann immer nach ihren Göttern schreiend liegen.
Danach bin ich immer in eine x-beliebige Taverne gegangen und habe meinen Geldbeutel aufgefüllt, indem ich ein Wettzechen gegen Zwerge gewann. Meine Gruppen schätzen nie meine konsequente Spielweise und riefen mich häufig nach meinen ersten Auftreten nicht mehr an, vielleicht lag es auch daran, dass sie damit beschäftigt waren, ihre neuen Charakter auszuwürfeln.
Ich brachte stets meinen Wikingercharakter Aasgeier Aasgeiers´son (genannt nach dem offensiven Mittelfeldspieler von Fram Reykjavik Asgeir Asgeierson (gesprochen wird’s allerdings Asgir)), der schwerst tätowiert war, mit. Er hatte von einem Halbgott eine Tätowierstube in Havanna geerbt und war auf das tätowieren von Eicheln spezialisiert.
Aasgeier hatte einen Tick. Bevor er zuschlug, musste er einen Vierzeiler aufsagen, den sein Vater ihm beigebrachte hatte.
„Ob Stuhl oder Tisch, ob Eiche oder Fisch. Ob Freund oder Feind. Du stirbst!“
Er war vollkommen sinnlos, aber er erlangte immer großen Applaus und häufig waren seine Gegner so erstaunt, dass sie noch während die Streitaxt zum Köpfen ausholte, klatschten. Der Kopf fiel auf den Boden, und als Trophäe schnitt er die Zunge des Gegners raus, die er dann trocknete. Er träumte davon sich davon mal ein Fell zu machen. Man stelle sich mal vor, ich wäre dabei geblieben. Oh Gott, ich hätte bestimmt mit Egoshootern angefangen und wäre ständig auf Liverollenspieltagen und hätte den Rest meiner Jugend mit Netzwerksessions verbracht. Diabolo III wäre mein Lieblingsspiel geworden.
Wie dem auch sei, es gibt eine Steigerung: Liverollenspieler. Das sind so Leute, wie oben erwähnt. Ich war mal auf einer Karnevalsparty, ich habe da für lau gesoffen, weil ich ein bisschen Thekendienst gemacht habe. Ich mache also ne Pause und gehe in den Garten. Erschrecke mich, weil da so ein Schatten auf dem Boden sitzt.
„Hä, was machst Du denn hier?“ „ich bin anders als die anderen. Ich genieße gerne den Wind auf meiner Haut“ „Ja“, dachte ich „Du bist wirklich anders als die anderen, sitzt da hier halb nackt im Februar rum, bekleidet mit nem Bärenfell. Bei Dir hakts wohl? Wie bescheuert muss man sein, Karneval einen auf aventurischen Krieger zu machen? Ist Dein Name Atreju?
„ich bin mit den Wölfen aufgewachsen!“
„wie bitte?“, frage ich.
„ich bin ein Rudeltier, nur das Rudel hat mich verstoßen!“
„du meinst das hoffentlich im übertragenen Sinne?“ Er schweigt und ist auf einmal nicht mehr da. Später seh ich ihn auf allen vieren den Mond anbeten.

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